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Wandern in Konstanz: Klein-Venedig, Kunstgrenze, Märchenschloss

Klein-Venedig, Kunstgrenze, Märchenschloss: Von Konstanz durch Kreuzlingen und den Seeburgpark

Diese abwechslungsreiche Rundtour führt uns von Konstanz über die Schweizer Grenze nach Kreuzlingen mit dem Schloss Seeburg und dem Seeburgpark an der Konstanzer Bucht. Es gibt entlang der Strecke viel Schönes und Interessantes zu sehen und wir haben immer wieder herrliche Ausblicke auf den Bodensee. Badesachen nicht vergessen, es gibt mehrere kleine Strände im Seeburgpark!

 

Wir beginnen diese Tour am Konstanzer Festplatzgelände Klein-Venedig am südlichen Ende der Hafenstraße. Der Name klingt romantisch, die Entstehungsgeschichte ist es weniger, denn die Festwiese war ursprünglich eine Mülldeponie direkt im Uferbereich. Von der Hafenstraße gehen wir links vom Sea Life Center vor bis zum Seeufer. Vom Ufer bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf den Konstanzer Hafen und auf die Türme von Bahnhof, Stephanskirche und dem Münster in der Altstadt. Der Uferweg führt uns nun nach Süden, und nach ungefähr 200 Metern begegnen wir sechs Meter großen runden und eckigen Gebilden aus rot lackiertem Edelstahl, die in einer Linie stehen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, man sei auf die Überreste eines Stahlwerks gestoßen – wir haben die Kunstgrenze erreicht. Diese ersetzt seit 2007 den seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden Maschendraht-Grenzzaun zwischen Deutschland und der Schweiz.

 

Der Künstler Johannes Dörflinger hat dafür die 22 Trümpfe aus der »Großen Arkana« des Tarots gewählt. Die Figurentitel sind in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache in die zwei Meter hohen silbergetönten Edelstahlsockel eingraviert. Dörflinger führt hierzu aus, dass ihm am Thema Tarot immer schon die »Verdichtung allgemein-menschlicher Erfahrungen im Symbol« gereizt habe. Für ihn hat Tarot nichts mit Wahrsagerei zu tun, sondern ist in seiner ursprünglichen Form Träger alter Weisheiten und menschlicher Sehnsüchte.

 

Wir setzen die Wanderung entlang dem Uferweg fort und kommen am »Freiheitsbaum« der Schweizer Künstlerin Maja Wiesmann-Gautschi vorüber. Sie setzt sich in ihrem Werk, einem sich bei Wind drehenden Gebilde in allen Farben des Regenbogens, mit den Themen »Freiheit« und dem »Aufbruch zu Neuem« auseinander. Nach wenigen Schritten erreichen wir die Bucht des recht beschaulich wirkenden Kreuzlinger Hafens mit seiner kleinen Platanenallee und dem Hafenrestaurant. Wer es noch nicht realisiert hat, dem wird spätestens jetzt an einigen ungewohnten Schildern und einigen freundlichen »Grüezis« klar, dass er sich auf Schweizer Boden befindet. Es ist immer wieder ein interessantes Phänomen, dass sich eine irgendwann einmal gezogene politische Grenze im Laufe der Jahrhunderte zu einer kulturellen und sprachlichen Grenze entwickelt.

 

Nach dem Hafenrestaurant biegen wir rechts ab und folgen dem mit dem Schweizer Wappen gekennzeichneten Fußweg bis zum Kreuzlinger Hafenbahnhof an der Hafenstrasse, die wir überqueren. Rechts des Gasthauses »Bahnhof-Hafen« wandern wir die Pestalozzistrasse bergauf und kommen an der Kreuzlinger Kantonsschule vorbei. Oberhalb davon halten wir uns am modernen Kreuzlinger Sport- und Kulturzentrum Dreispitz links und wandern über den mit schwarzen Bodenplatten gestalteten Außenbereich in Richtung Kloster Kreuzlingen. Vor dem imposanten Klosterkomplex führt uns der Obere Schulweg entlang der kleinen Friedhofsmauer hoch zur Hauptstrasse. Nach wenigen Schritten erreichen wir über sie den Eingang zur ehemaligen Klosterkirche St. Ulrich und Afra, die heute meist nur St. Ulrich genannt wird.

 

I Info zu Kreuzlingen und seinem Kloster

 

Die Geschichte Kreuzlingens ist eng mit der Gründung seines Klosters verbunden. Von 935 bis 976 war Konrad I. Bischof in Konstanz. Von einer seiner Reisen ins Heilige Land brachte er einen Kreuzpartikel mit, den er einem von ihm gestifteten Spital in Stadelhofen schenkte, das deshalb den Namen »Crucelin« (Crucis Lignum = Holz vom Kreuz) erhielt. Später entstand daraus der Name »Creuzlingen«. 1093 wurde dieses Hospiz während eines Streites zwischen dem Abt von St. Gallen und dem Bischof von Konstanz in Brand gesteckt. Anfang des 12. Jahrhunderts verwandelte der Bischof das wieder aufgebaute Gebäude in ein Augustiner-Chorherrenstift, das während des Konzils den später abgesetzten Papst Johannes XXIII. beherbergte. Als nach dem Schwabenkrieg 1499 der Herzog von Mailand den Eidgenossen Kreuzlingen zusprach, zerstörten die Konstanzer das Kloster aus Wut über den Verlust. Trotz der eidgenössischen Neutralität wurden das Kloster und der Ort 1633 im Dreißigjährigen Krieg ein zweites Mal durch die Konstanzer dem Erdboden gleichgemacht. Die neue Anlage entstand um 1650 nun etwas weiter entfernt am heutigen Platz. Die Kirche erhielt ihre jetzige Form beim Umbau im 18. Jahrhundert im Stil des Rokokos. Eine besondere Kostbarkeit im Kircheninneren ist die riesige Ölberggruppe aus Arvenholz (Holz der Zirbelkiefer) sowie das prächtige Chorgitter aus dem Jahr 1737. Durch die Helvetische Revolution von 1798 gingen viele Klosterbesitztümer verloren und die Mönche versuchten, den Erhalt durch eine Schule zu sichern. 1848 kam trotzdem das Aus. Die Thurgauer Regierung löste das Kloster auf und verwandelte die Stiftsgebäude in das bis heute bestehende Lehrerseminar. Im Jahr 1874 wurde die umliegende Gemeinde Egelshofen in Kreuzlingen umbenannt und 1947 zur Stadt erhoben. 1963 geriet das Kloster mit der Kirche in Brand und wurde schwer beschädigt. Erst auf massiven Druck der Bevölkerung wurde die Kirche originalgetreu wiederaufgebaut. Heute befindet sich hier die »Pädagogische Maturitätsschule Kreuzlingen«, die gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule und der Kantonsschule Kreuzlingen den »Campus Bildung Kreuzlingen« bildet.

 

Wir gehen nun die Hauptstrasse an den ehemaligen Stiftsgebäuden entlang weiter und biegen an der nächsten Möglichkeit nach links ein in den östlichen Klostergarten mit spätbarocken Brunnen. Nach einem kurzen Spaziergang entlang des südlichen Stiftsflügels mit prächtigem Barockportal gelangen wir über einen Treppenabgang, vorbei an einem hübschen Gartenhäuschen, zu den 1970–1972 errichteten sogenannten Guyerbauten. Diese, durch das bekannte Zürcher Architektenehepaar Rudolf und Esther Guyer, spartanisch gestalteten Gebäude aus rotem Sichtbeton sind Teil des Kreuzlinger Campus und beherbergen heute die Fachbereiche Sport, Musik und Naturwissenschaften. Die Monotonie der funktionalen Architektur wird lediglich durch organisch geformte Brunnengebilde aus Beton und Marmor unterbrochen. Vor der Brunnenanlage im unteren Innenhof biegen wir nach rechts ab und gelangen so in die Klosterhofstrasse und den sich fortsetzenden Fußpfad, über die wir östlich des Sportplatzes bis zur Hafenstrasse bergab spazieren.

 

Wir halten uns rechts und überqueren die Straße am Fußgängerweg an der Kreuzung mit der Weidenstrasse. Auf der gegenüber-liegenden Seite wandern wir auf der Promenadenstrasse kurz in Richtung See und biegen nach den Bahngleisen schräg links in den Seeburgpark ein.

Nun geht's an einem eiszeitlichen Findling vorbei und wir erreichen nach einigen großen Mammutbäumen und einem uralten japanischen Schnurbaum das idyllisch über dem Bodensee gelegene Schloss. Der 1598 an dieser Stelle als »Neuhorn« erbaute erste Adelssitz diente später dem Kreuzlinger Kloster als Sommerresidenz. Während des Dreißigjährigen Krieges brannte es vollständig aus und wurde 1664 wiederhergestellt. Ab 1833 zog das Thurgauer Lehrerseminar mit dem weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Pädagogen Johann Jacob Wehrli als Direktor ein. Einige Jahre wurde das Seminar ins Kloster verlegt und das Schloss verkauft. Der neue Besitzer Gottfried Ferdinand Ammann und ließ es 1870 im damals auch in der Schweiz beliebten Stil des Historismus umbauen. Sein Traumdomizil stand bis zur Aufschüttung des Uferbereichs in den 1960er-Jahren direkt am See.

 

 

 

Heute liegt das Schloss mit dem Seeburgpark im Zentrum des Kreuzlinger Freizeitgeländes und beherbergt neben einem Institut der Konstanzer Universität ein Restaurant mit schöner Gartenterrasse. Wir gehen links am Schloss vorbei. Der Weg führt nun direkt unterhalb des Schlosses zwischen mächtigen alten Buchen durch ein kleines Tor in den Rosengarten. Mit dem kleinen Springbrunnen, einem weiteren eigenwillig gewachsenen Schnurbaum ist es einer der märchenhaftesten Orte in der Konstanzer Bucht.

 

 

Wir verlassen den Garten wieder durch das efeuumrankte Tor gegenüber und spazieren unterhalb eines beschaulichen Wohnhauses mit Staffelgiebeln den leicht ansteigenden Fußweg hoch bis zum Seeweg, den wir nach links gehen. Inmitten von Wiesen sehen wir etwas oberhalb die stilvolle Villa Hörnliberg von 1896, in der seit 1970 die Kreuzlinger Jugendherberge untergebracht ist. Das kleine »Wöschhüsli« (Waschhaus) davor ist Teil des Seemuseums, welches wir nach wenigen Metern erreichen. In der malerischen Kornschütte aus der Klosterzeit erfährt man viel über die Geschichte der Fischerei, die Schifffahrt und das Leben der Menschen am See. Auch gibt es hier eine Einkehrmöglichkeit.

 

Oberhalb des Museums geht's einige Schritte weiter und wir biegen in der nächsten Kurve nach links in einen Fußweg ein, der uns in südlicher Richtung bis zum Kreuzlinger Seglerhafen führt. Nach kurzer Zeit gelangen wir an einen schilfbestandenen Weiher. Hier gelang es den Vogelschützern mit aufwendigen Schutzmaßnahmen, dass seit 1950 wieder Weißstörche im Land der Eidgenossen brüten. Eine weitere Besonderheit ist die große Artenvielfalt von Fledermäusen im Park. In der Dämmerung können wir lichtscheue Zeitgenossen, wie die Rauhaut-fledermaus, oder die nur vier Zentimeter lange Mückenfledermaus, auf ihrer Jagd nach Insekten beobachten. Wer einkehren möchte, wandert auf der Promenadenstrasse bis zum beliebten Strandlokal Fischerhaus weiter.

Ansonsten biegen wir vor dem Kreuzlinger Seglerhafen nach links ab und gehen vor bis zum Seeuferweg, auf dem wir nun wieder zurück in Richtung Konstanz spazieren.

 

 

Der schöne Uferweg mit zahlreichen ökologischen Schautafeln führt uns bis zum Kreuzlinger Hafen. Kurz vor dem Kreuzlinger Hafen erreichen wir den im Jahr 2000 aus dicken Douglasienstämmen errichteten »Seeburgturm«. Mit seinem Grasdach erinnert das hölzerne Gebilde an einen gigantischen Eichhörnchenkobel. In rund zehn Meter Höhe hat man einen schönen Blick auf die Seeufer-Anlage, den Kreuzlinger Hafen und die dazwischen liegende »Wollschwein-Insel«.

 

 

Auf diesem künstlich aufgeschütteten Inselchen mit mehreren Binnenweihern leben im Winter selten gewordene Wollschweine. Diese »ehrenamtlichen« Reservatspfleger sorgen dafür, dass das wertvolle Ökotop, Brutplatz für viele seltene Vogelarten, nicht zuwächst. Nach dem Kreuzlinger Hafenbecken gelangen wir wieder über denselben Weg zu unserem Ausgangspunkt Klein-Venedig.

 


Karte und Infos zur Rundwanderung

 

Tourenlänge: 7 km

 

Höhenunterschied: 30 m

 

ÖPNV: Bushaltestelle "Bahnhof Konstanz/Marktstätte": fast alle Linien, Bahnverkehr

 

Aus  "Kreuz und quer durch Konstanz,- Die schönsten Stadtwanderungen, die besten Adressen"  (Silberburg-Verlag 2017)

Erhältlich:

bei Osiander

und in allen lokalen Buchhandlungen.

Einkehrmöglichkeiten  auf der Tour: Cafés und Gartenlokale

 

Gastronomie im Konstanzer Hafengelände und in Kreuzlingen (Schweiz), kleine Auswahl:

 

Hafenhalle

Hafenstraße 10

Telefon: 07531 21126

www.hafenhalle.com

Direkt am See und Jachthafen gelegen, bietet die Hafenhalle die einzigartige Atmosphäre eines Biergartens mit südlichem Flair und Seeblick. An lauen Sommerabenden manchmal ziemlich überfüllt mit vielen Gästen in Partylaune. Es gibt verschiedene Sorten Bier und eine Speisekarte zahlreichen regionalen und internationalen Gerichten.

 

Hafenmeisterei

Hafenstraße 3

Telefon: 07531 3697212

http://hafenmeisterei.de

Moderne Location in der alten Hafenmeisterei, stilvoll eingerichtetes Restaurant, Café, Vinothek und Lounge mit großer Außenbewirtschaftung direkt am Seeufer. Italienische Küche.

 

Fischerhaus

Promenadenstrasse 52

Telefon: 0(41) 71 688-1877

Kreuzlingen (CH)

fischerhaus.ch

Schön gelegenes Lokal mit großer Außenbewirtschaftung direkt am Seeufer, Fischgerichte und andere Leckereien.

 

 


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