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Burgen, Felsen, Grenzstationen: von Bichishausen über den Bürzel zur Ruine Hohengrundelfingen

Burgen, Felsen, Grenzstationen: von Bichishausen über den Bürzel zur Ruine Hohengrundelfingen

Diese herrliche Rundwanderung gehört unbedingt zu meinen Lieblingstouren. Das malerische Tal der Großen Lauter mitten auf der Schwäbischen Alb zählt zu den burgenreichsten Regionen Südwestdeutschlands und die karge Landschaft mit den malerischen Burgruinen und Bauernnestern bilden den Stoff, aus dem unsere Märchen gewoben sind. Mit diesen Burgen bzw. Ruinen, imposanten Felsformationen, artenreichen Wachholderheiden neben lauschigen Wäldern und Auen ist es ein Glanzstück im Biosphärengebiet und Geopark Schwäbische Alb.

Länge: ca. 6,8 km

Höhenunterschied: 270 m

Dauer: 2,5 h

(Karte Openstreetmap, erstellt: Arndt Spieth)

 

Startpunkt ist der reizvolle Albflecken Bichishausen - mit seiner barocken St. Galluskirche samt wuchtigem Zwiebelturm unterhalb der imposanten Burgruine ein richtiger Hingucker. Die einstige Grenze zwischen dem evangelischen Württemberg und katholischen Fürstenberg lag genau am oberen Ortsrand und ist heute noch wunderbar an den bunten Schildhäuschen der Grenzposten erkennbar. Bichishausen lag auf der katholischen Seite und Ferdinand Fürst zu Fürstenberg spendierte um 1735 das für den kleinen Weiler ziemlich großgeratene Gotteshaus, sicher auch um die protestantischen Nachbarn zu beeindrucken. Oben auf dem Berg thront noch die Ruine der einstigen Burg Bichishausen. Im 13. Jahrhundert erbaut, wechselte sie immer wieder ihre Besitzer, und ab Mitte des 16. Jahrhunderts begann ihr Verfall.

 

Wir beginnen diese Rundtour an der St. Gallus Kirche und wandern die Alte Steige Richtung Aussichtspunkt Bürzel bergauf. Dabei bekommen wir Immer wieder schöne Ausblicke auf das idyllische Lautertal und den zauberhaften alten Burgflecken, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Mit dem Zwiebelturm und den alten Bauernhöfen wähnt man sich fast im Allgäu oder zumindest schon im Oberschwäbischen. Wir erreichen die Höhe, lassen die Steighöfe mit Demeter-Bauernhof rechts liegen und folgen dem Wanderweg mit der gelben Raute. Dabei passieren wir ein Buchenwäldchen und erreichen bald den Bürzel, von dem wir aus einen herrlichen Blick auf Gundelfingen und das hier besonders idyllische Lautertal haben. Direkt unterhalb von uns sitzt die Burg Niedergundelfingen auf einem Hügel, ein malerisches Bild.

 

 

Die inselartige Lage auf dem von der Lauter umflossenen Berg zwischen Wäldern und Felsen ist einmalig. Um 1080 entstanden, wurde um 1250 von einem Ritter Swigger IX. de Novogundelfing ausgebaut und wechselte in der Folgezeit immer wieder ihre Eigentümer. Von dem alten Wohntrakt der Ritter und Edelfräulein blieben nur mächtige Mauern übrig. Nur auf der Südseite hat sich noch ein Gebäudetrakt erhalten. Gut zu erkennen ist der alte Burggraben drumherum und natürlich die Burgkapelle St. Michael, die heute weiß getüncht ist. Durch die abgeschiedene Lage könnte man meinen, Burg und Tal hätten die Märchenbrüder Grimm zur Geschichte von „Dornröchen“ animiert.

Den Talabschluss auf der anderen Seite bilden interessante Felsformationen, auf denen wir noch den Stumpf des Bergfriedes der einstigen Burg Hohengundelfingen erkennen können, ein weiteres Highlight, das wir uns im zweiten Teil unserer Tour genauer anschauen werden. Wir folgen dem mit der gelben Raute gekennzeichneten Pfad Richtung Wittsteig und haben weitere schöne Ausblicke über das lauschige Tal. Schließlich führt uns der auch als Bürzelrundweg bezeichnete Wanderpfad nach einer Scheune links hinunter zu Lauteraue.

Unten angekommen zieht uns das kleine Gundelfingen mit seinem kleinen Fachwerkensemble, die glasklaren Lauter und die bizzaren Felsen am Gegenhang in den Bann. Falls jemand direkt nach Bichishausen zurückwandern möchte, hält er/sie sich hier links, quert nach den Häusern die Lauter und erreicht so auf relativ ebenem Weg den Ausgangspunkt.

 

Ansonsten folgen wir dem Weg nach rechts bis zur Hauptstraße, wo wir uns links halten. Wir passieren dabei das Landhotel und Gasthof „Wittstaig“, eine gute Einkehrmöglichkeit auf unserer Tour. Nach einer eventuellen Stärkung spazieren wir kurz in die gleiche Richtung weiter, queren noch beim Hotel die Straße, und folgen dem vom Schwarzwald ins Allgäu führenden HW5 hoch nach Hohengundelfingen. Ein paar Serpentinen zwischen bizarren Felsformationen, und wir erreichen auf einem alten Treppenweg über ein Steintor die alte Vorburg mit dem Nadelfelsen. Wir gehen weiter und gelangen in die alte Kernburg von Hohengundelfingen.

 

 

Die nur noch als fragmentarische Ruine erhaltene einstige Stammburg des Freiadelsgeschlechtes der Gundelfingen wurde vermutlich von einem gewissen Swigger IV. von Gundelfingen (etwa 1160–1228) gegründet. Die Reste des Bergfrieds aus staufischen Buckelquadern stammen noch aus dieser Zeit. Auch diese Burg wechselte immer wieder ihre Besitzer und wurde bereits 1389 als Burgstall, d.h. als Ruine bezeichnet. Auch in der Folgezeit blieb die trotz Verfall vermutlich immer wieder bewohnte Burganlage weiter in Besitz von unterschiedlichen Adelsfamilien, bis sie 1939 von dem Neu-Ulmer Fabrikanten Hans Römer gekauft wurde. Er ließ die alten Mauern wieder ausgraben und führte jahrelang umfassende Instandsetzungs- und Ergänzungsarbeiten durch. Wir verdanken ihm die heute begehbare Ruinenanlage, die sich jetzt im Besitz der Dorothea-Römer-Stiftung befindet.

Nachdem wir uns an der herrlichen Sicht vom Bergfried oder anderen Aussichtspunkten gründlich geweidet haben, wandern wir den breiten Waldweg bergauf Richtung Dürrenstetten und erreichen weiter oben einen auf dem freien Feld gelegenen Wanderparkplatz. Dort spazieren wir in die gleiche Richtung weiter und stoßen auf eine Fahrstraße mit Wegekreuz. Hier halten wir uns scharf links und folgen bald dem wieder mit gelber Raute gekennzeichneten Wanderweg rechts hinunter durch den Wald bis nach Bichishausen. Am Ortseingang kommen wir am Gasthof Hirsch vorbei, eine weitere beliebte Einkehrmöglichkeit auf der Wanderstrecke. Unten queren wir die Hauptstraße und über eine Brücke geht’s wieder hinein den bezaubernden Flecken. Fast ein Kuriosum ist das winzige alte Rathaus vor dem stattlichen Kirchenbau. Leicht zu erkennen, wer hier früher im Ort das Sagen hatte. An St. Gallus endet unsere Tour wieder.

 

 

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