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Weinromantik, Weitblicke, Farbenrausch: Rundwanderung von Obertürkheim über Siebenlinden nach Uhlbach

Weinromantik, Weitblicke, Farbenrausch:  Rundwanderung von Obertürkheim über Siebenlinden nach Uhlbach

Der Herbst lässt sich besonders schön in den bunten Weinbergen genießen. Nicht nur im Elsass, am Rhein oder entlang der Mosel ist es da wunderschön. Auch in Stutgart gibt es herrliche Weinlandschaften, die sich jedes Jahr im goldenen Oktober in einen wahren Farbenrausch verwandeln.

 

Wir beginnen diese wunderbare Rundtour mit vielen genialen Ausblicken am S-Bahnhof Obertürkheim im südöstlichsten Stadtteil von Stuttgart. Von dort spazieren wir Richtung Obertürkheimer Ortszentrum und kommen über die Göppinger Straße zur Asangstraße. An der Kreuzung halten wir uns schräg rechts und folgen nach dem stattlichen Gebäude des ehemaligen Gasthof Ochsens aus dem 16./17. Jahrhundert der Rüderner Straße bergauf. Bald haben wir einen faszinierenden Blick auf den Obertürkheimer Ortskern mit der Petruskirche und den Weinbergen im Hintergrund. Die Kirche des 1251 erstmals erwähnten Weingärtnerdorfes entstand aus einer 1285 gebauten romanischen Wallfahrtskapelle und wurde 1484 zur gotischen Kirche erweitert.

 

Am Ende der Straße setzen wir unsere Tour über einen in gleicher Richtung weiterführenden Treppenweg fort, queren ein asphaltiertes Sträßchen und sehen schließlich linker Hand das Kriegerdenkmal des Turnvereins Obertürkheim und dem darüber liegenden Sportgelände.

 

Wer hier einen Abstecher zum Melac- oder Ailenbergturm machen möchte, hält sich nun scharf rechts und folgt dem anfangs asphaltierten Weg auf die kleine Ailenberg-Kuppe mit dem entzückenden Türmchen in herrlicher Aussichtslage. Dieser war 1574 als Lusthaus erbaut worden, vermutlich anstelle eines reichsstädtischen Wartturms, den die Esslinger zur Ausspähung der Württemberger erbauten ließen. Der Sage nach soll hier der Weingeist Schlurger hausen, der nachts durch die Weinberge der oberen Neckarvororte schlurft, schwäbisch „schlurgt“, um diese zu hüten. Dabei soll er besonders gerne Faullenzer erschrecken oder entführen und sein Erscheinen soll ein gutes Weinjahr ankündigen. Der Name des Turms erinnert auch an eine andere Geschichte. Angeblich hatte hier der französische General Ezéchiel de Mélac mit einem Esslinger Pfarrerstochter ein Rendezvous, die ihn töten wollte, um ihre Heimatstadt zu retten. Nachdem er sie beim Gerangel erdolchte, soll er große Reue empfunden und Esslingen von einer Zerstörung verschont haben.

Ansonsten gehen wir in gleicher Richtung weiter und halten uns an der nächsten Kreuzung schräg links. Dieser Weg führt uns hoch bis zu den westlichen Häusern des Esslinger Stadtteils Rüdern. Wir folgen nun der Uhlbacher Straße ortsauswärts und biegen nach ca. 450 m, noch vor dem Uhlbacher Ortsschild nach rechts in einen ebenfalls asphaltierten Weg ein und folgen ihm. Nun geht es für längere Zeit stetig leicht bergauf und wir bekommen immer wieder traumhaft schöne Ausblicke auf die Stuttgarter Stadtteile Uhlbach und Rotenberg mit ihren ausgedehnten Weinbergen und der Württemberg-Kapelle als Sahneklecks. Wir folgen dem Hauptweg in ungefähr gleiche Richtung, steigen nicht bergab, und erreichen den Waldrand nach gut 1,2 Kilometer. Nun folgen wir dem anfangs gepflasterten und mit einem roten Kreuz gekennzeichneten Wanderweg bergab und erreichen bald die legendäre Waldschenke Siebenlinden.

 

Ein guter Ort für eine gemütliche Einkehr. Danach wandern wir das Weinbergsträßchen links hinunter Richtung Uhlbach. Von dem beschilderten Weinlehrpfad haben wir weitere himmlische Ausblicke auf die umgebende Weinlandschaft.

 

Oberhalb von Uhlbach schwenkt die Straße in den Weinbergen nach rechts und wir folgen dem alten gepflasterten Wengertweg hinunter in den alten Ortskern von Uhlbach

 

 

Das alte Weinbauerndorf wurde 1247 erstmals erwähnt. Uhlbachs Weinlagen waren schon immer begehrt und viele  Esslinger Bürger wie auch Klöster besaßen hier ihre Güter. Die Dorfkelter auf dem Plan, dem heutigen Uhlbacher Platz wurde 1366 erstmals erwähnt.  Der heutige Bau mit dem Stuttgarter Weinbaumuseum entstand 1907. 1386 ist der Bau einer ersten Kapelle bezeugt, die 1490 durch die Andreaskirche ersetzt wurde. Der lauschige Flecken fand man damals schon sehr reizvoll und Carl Julius Weber schrieb um 1800: „Beim Anblick dieses glücklichen, verborgenen, mitten in den Weinbergen  liegenden Dörfchens wünschte ich mir, Pfarrer da zu sein". Seit 1937 ist Uhlbach ein Stuttgarter Stadtteil, aber noch völlig vom Wein- und Obstbau geprägt. Heute gedeihen in den Weinbergen 14 Rebsorten. Neben Trollinger, Riesling und Spätburgunder werden auch Chardonnay, Grau- und Weißburgunder oder die Heroldrebe, eine Kreuzung aus Portugieser und Lemberger angebaut.

 

Nach kurzer Zeit kommen wir in die lauschige Herrengasse, wo wir uns links halten. Sie führt uns direkt hinunter zum Uhlbacher Platz mit dem Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten wunderschönen Fachwerkrathaus und der schön renovierten Kelter mit altem Kellergewölbe und dem Weinbaumuseum.

 

 

Vor der ev. Andreaskirche steht der Urbanbrunnen von 1902 mit einem Uhlbacher Wengerter als Stellvertreter für den Heiligen. Die Inschrift „O heiliger Urban send uns Wein, wir wollen dafür dankbar sein“ ist fast ein Unikum in einem evangelischen Dort.  Nun folgen wir der Uhlbacher Straße ortsauswärts und kommen an der 1924 erbauten Genossenschaftskelter, in der das Collegium Wirtemberg unter schmucken Kreuzgewölben den Wein der Weingärtnergenossenschaft Uhlbach verkauft. Sehr hübsch ist auch die ein paar Schritte weiter zu sehende Weinkellerei Konzelmann, die Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Neorenaissance gebaut wurde. Wir spazieren weiter und kommen an einigen netten Wengerterhäusern vorbei.

 

An der Kreuzung mit der Hegnachstraße bietet sich für uns die die Möglichkeit, über den Äckerlesweg zu einem Weinbergweg mit weiteren schönen Ausblicken bis zur Obertürkheimer Petruskirche zu wandern. Von dort kommt man über die Kirchsteige wieder hinunter in die Uhlbacher Straße.

Ansonsten spazieren wir die lauschige Uhlbacher Straße weiter, in der sich zunehmend alte und moderne Villen mischen. Dieser Teil Obertürkheims am Fuße der Weinberge war schon um 1900 ein beliebter Wohnort von Industriellen und höheren Beamten, und gehört auch heute noch zu den besseren Wohnlagen Stuttgarts.

Einige Villen entstanden im aufwändigen Schwarzwaldstil wie das 1902 nach Plänen von Albert Bauder entstandene Domizil Nr. 97. Schöne alte Zäune – mal mit, mal ohne Rost – mit gemauerten Pfosten umgeben noch immer die fast parkähnlichen Gärten. Fast schlossartig erhebt sich die Villa Kayser, die sich 1907 ein wohlhabender Holzhändler für sich und seine Familie gönnte. Eine Nachfahrin vom ihm war übrigens Anna Bosch, die erste Ehefrau des Stuttgarter Industriellen und Reformers Robert Boschs. Schließlich erreichen wir das trotz einiger Bausünden noch recht idyllische Ortszentrum von Obertürkheim mit hübschen Wengerterhäusern und einigen netten Fachwerkwinkeln.  

Von hier trennen uns nur noch wenige Schritte zum Ausgangspunkt, dem S-Bahnhof Obertürkheim.

 

Toureninfos:

 

Tourenlänge: 8 km

 

 

Höhenunterschied: 230 m

 

 

Gehzeit: 2,5 h

 

 

Tourenstart- und ende: S-Bahnhof Obertürkheim

 

 

 

Einkehrmöglichkeiten: Waldschenke Siebenlinden, Mi ab 15 Uhr und Do geschlossen

 

Weinstube Café Löwen Uhlbach, Mi geschlossen

 

Gastronomie in Obertürkheim

 

Aus meinem "Stadtwanderführer Stuttgart von der City ins Grüne“, Tour 15 (Theiss)

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