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Wandern in Konstanz: Villen, Promenaden, Strandidylle

Spaziergang entlang der Konstanzer Bucht zum Lorettowald


Wichtige Infos zur Tour:

 

Tourbeginn und -ende:

Bushaltestelle: Konzilstraße und Konzilstraße/Theater, fast alle Linien

 

Tourenlänge: 7,5 km

 

Höhenunterschiede: 45 m

 

Einkehrmöglichkeiten:

Gastronomie am Stadtgarten und in der Seestraße, Restaurant Seelig (Therme), Café Restaurant Hörnle (Strandbad)

 

Bei schönem Wetter bloß nicht die Schwimmsachen vergessen, es gibt wunderbare Bademöglichkeiten auf unserer Tour...

 

 

 


Beschreibung der Stadtwandertour:

Diese schöne Rundwanderung beginnt am Stadtgarten nördlich des Konstanzer Hafens. Die städtische Parkanlage entstand ab 1863, als man die Schuttmassen der für die neue Bahnstrecke abgebrochenen Stadtbefestigung hier im See versenkte. 1879 wurde der frisch bepflanzte Park mitsamt dem Gondelhafen feierlich an Bürgerschaft und Urlauber übergeben. Wir durchqueren den Park in Richtung Norden und erreichen über den Susosteig, vorbei am ehemaligen Inselkloster, die Rheinbrücke, die uns über den Seerhein führt. Auf der gegenüberliegenden Uferseite kommen wir zu einer der schönsten Uferpromenaden Deutschlands. Wir spazieren rechts runter zur Seestraße und schlendern entlang der mondänen Stadthäuser in östlicher Richtung. Mit dieser Prachtstraße wollten die Stadtväter Konstanz in ein zweites Luzern verwandeln. Begonnen wurde das Seestraßen-Ensemble mit dem 1902 erbauten, ehemaligen »See-Hotel«, welches als luxuriöser Grand-Hotel-Bau mit elegantem Eckturm heraussticht.

 

Von der Promenade aus hat man einen zauberhaften Blick auf den See, auf die fantasievoll gestalteten Jugendstil- und Gründerzeitfassaden der Uferbebauung, auf die gegenüberliegende Altstadt mit ihren Türmen, Giebeln und alten Ziegeldächern sowie auf den Hafenbereich mit »Imperia« und Leuchtturm. Wellen klatschen beruhigend an die Ufermauer, und bei Sonnenschein funkelt die unruhige Wasserfläche wie ein gleißendes Meer. An klaren Tagen wird die muntere Glitzerwelt noch durch das gewaltige Alpenpanorama der Schweizer Berge im Hintergrund gekrönt. Wir spazieren die Seestraße weiter und kommen an größeren Gärten und eleganten Strandvillen vorbei. Einige stammen aus der Zeit um 1900, viele sind auch neueren Datums. Ein Teil der Häuser – wie etwa die Casino-Villa – wurden in gehobene Gastronomiebetriebe umgewandelt, andere – wie die charmante Villa Barleben aus dem Jahr 1872 – wurden Hotels. Besonders eindrucksvoll ist die Jugendstilbemalung der Villa Prym.

 

Infos zu Villa Prym:

Bereits um 1860 erbaut, wurde die Gründerzeitvilla 1912 durch ihren neuen Eigentümer, den Kurzwarenfabrikanten und Entwickler des Kronenfeder-Druckknopfes Gustav Prym, im Jugendstil umgemodelt. Der Künstler wirft dabei alle perspektivischen und plastischen Maltechniken über Bord und lässt seine Jagdgesellschaft in der typischen Manier des neuen Stils parallel zur Wandebene reiten. Dabei bilden die Beine der Menschen und Tiere einen rhythmisch gestalteten Fries. In der Bildmitte, über der Hubertuslegende, fällt ein berittenes Paar mit individuellen Gesichtszügen auf. Es handelt sich um Pryms Tochter Louise und um seinen Schwiegersohn Wilhelm von Goedecke. Die im Tympanon kniende Göttin Diana als Amazone zwischen zwei stilisiert dargestellten Blumengefäßen ist ein besonders gelungenes Werk des Jugendstils.

 

Die Seestraße mündet nun in den schmaleren Seeuferweg, der im letzten Abschnitt zum Wendelgardweg wird. Bei schönem Sommerwetter bietet sich an vielen Stellen die Möglichkeit, am noch weitgehend natürlichen Ufer zwischen Schilf und Bäumen ein erfrischendes Bad zu nehmen. Nach einiger Zeit kommen wir an einem idyllischen, über dem Wasser gelegenen Torkelgebäude aus dem 17. Jahrhundert vorbei, das 1996 durch einen interessant gestalteten »Scheibenhausanbau« des Frankfurter Architekten Christoph Mäckler erweitert wurde. Torkeln waren Gebäude mit Most- oder Weinpressen, die einen Kelterbaum besaßen. Da die Alemannen das Baumkeltern direkt von den Römern übernahmen, verwendeten sie auch deren Vokabular (lat. »torculum« für Presse).

 

Wir spazieren weiter. Nachdem die Bagger das in die Jahre gekommene Mineralbad Jakob, »’S Jaköble«, im Jahr 2006 eingeebnet hatten, entstand an gleicher Stelle die Bodensee-Therme als moderner Wellnesstempel mit Saunalandschaft und Freibadbereich. Der Westflügel weist wie ein Schiffsbug kühn in Richtung Bodensee und bildet gleichzeitig die Überdachung des modern gestalteten Thermen-Restaurants. Das einige Schritte weiter stadtauswärts gelegene Schloss Seeheim vermittelt ein völlig anderes Bild. Fast märchenartig verträumt liegt es an einem kleinen Weiher unweit der Uferpromenade. Der jetzige Bau mit einem Restaurant entstand um 1890 auf den Fundamenten eines wesentlich älteren Vorgängerbaus und lag ursprünglich direkt am Seeufer. Ab 1924 war es Wohnsitz des Schriftstellers und Lyrikers Wilhelm von Scholz, dessen Werke aus der Zeit des Nationalsozialismus heute allerdings recht umstritten sind. Der Ausbau des Uferwegs zum Strandbad Horn in den 1970er-Jahren verwandelte die bisherige Seebucht zum Karpfenteich, der dem Anwesen seither aber etwas Verwunschenes verleiht.

 

Gleich dahinter beginnt das Strandbad Horn »Hörnle« mit seinen ausgedehnten Liegewiesen und schönen Stränden. Wir halten uns vor dem Badeingang links und gelangen über Treppenaufgänge hoch zur Eichhornstraße, die wir beim Hotel-Restaurant »Nicolai-Torkel« überqueren. Dann spazieren wir nach links. Beim Hotel-Restaurant »Waldhaus Jakob«, einer weiteren Einkehrmöglichkeit mit schönem Biergarten, wandern wir nach rechts in die Jakobstraße. Wir folgen ihr kurz, bis uns linker Hand ein asphaltierter Weg in den im Sommer angenehm kühlen Lorettowald führt. Wir befinden uns jetzt auf der Fontainebleau-Allee, die kerzengerade durch das kleine Naturparadies mit schönen alten Buchen und Eichen führt. Auf der anderen Seite des Waldes erblicken wir auf der linken Seite ein barockes Gartenhaus mit teilweise etwas verblichenen Fassadenmalereien. Das unerwartete Kleinod, über dessen Eingang sich das Bild der gekrönten Madonna mit dem Jesuskind bis in unsere Zeit erhalten hat, ist eines der wenigen historischen Gebäude in diesem Bezirk. Wir schlendern die ruhige Beethovenstraße in Verlängerung der Fontainebleau-Allee einige Schritte weiter, bis rechts die steinerne Friedrichsbank von 1907 erscheint. Gegenüber, vor Haus Nr. 32, führt uns nun ein Fußweg zur Richard-Wagner-Straße hinunter. Wir folgen dem Fußweg bis zur Schubertstraße, in die wir nach rechts einbiegen. Sie führt durch ein schönes Wohngebiet mit älteren und neueren Häusern. Im Frühling verwandeln sich die großen alten Gärten mit unzähligen Primeln, Tulpen und Narzissen in wahre Farbenmeere. Dieses grüne Wohnparadies ist ein begehrtes Pflaster für junge Familien mit dem allerdings nötigen Kleingeld. Die ältesten Bauten dieser Straße wie etwa die Häuser Nr. 12, 8 und 4 stammen noch aus dem ersten Viertel des letzten Jahrhunderts. An der Kreuzung mit der Hebelstraße halten wir uns links und kommen an weiteren schönen Wohnhäusern und Gärten vorbei. Nach der Überquerung der Eichhornstraße erreichen wir die Neuhauser Straße mit einem reizenden Jugendstil-Häuserensemble von 1902. Wir wandern nach rechts. Die Domizile in den gepflegten Gartenanlagen sind mal romantisch verspielt mit Jugendstil- und Gründerzeitdekor, dann wieder modern mit viel Glas und Marmor oder einfach nur nüchtern aus den 70er-Jahren. Nach dem oberhalb liegenden wilhelminischen Prachtbau des Heinrich-Suso-Gymnasiums geht es vor einer im italienischen Palazzostil gebauten Villa von 1869 nach links.

 

Wir spazieren durch die gehobene Altmannstraße und den Luziengang weiter und erreichen bei der Casino-Villa wieder die Seestraße. Von hier gelangen wir wieder über die Rheinbrücke und den Susosteig zum Ausgangspunkt, dem Stadtgarten.

 

Aus „Kreuz und quer durch Konstanz“, Arndt Spieth, Verlag: Silberburg-Verlag.

 

Erhältlich bei Osiander, den regionalen Buchhandlungen oder im Webshop des Silberburg-Verlags.

 

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